Home
Wer bin ich
Schweiz
Welt
Kontakt
Gästebuch


Von der gesellschaftlichen Respektsperson zum Lehrermangel

Es gab Zeiten – die waren zwar alt aber auch nicht immer gut – da galt der Lehrer in der Gesellschaft als wichtige Respektsperson. Ein paar Jahre später ist dies anders geworden. Die erste Präzisierung auf das Stichwort Lehrer lautet sehr oft; 14 Wochen Ferien. Also zusammengefasst, Lehrer haben scheinbar viel mehr Freizeit als andere Berufsgattungen. Den einfachen Zahlen folgend, mag dies zutreffen, doch die Realität ist eine andere. Die Schule ist Teil unserer Gesellschaft und nicht umgekehrt. Unsere Welt ist globaler und damit auch komplizierter geworden. Das Tempo steigt und damit ist auch erlerntes Wissen viel schneller wieder veraltet. Die Anforderungen an zukünftige Arbeitskräfte steigen permanent an. Dies auch deswegen, weil sehr viele Arbeitsplätze in der Industrie und Produktion vermehrt ins Ausland ausgelagert worden sind. In der westlichen Welt ist der Rohstoff Zeit immer knapper geworden und dies kommen letztlich auch die Kinder zu spüren. Wohlstand ist in unseren Breitengraden kontinuierlich zur Triebfeder Nr. 1 geworden. Oft wird diesem Streben alles andere untergeordnet. Das Auseinanderfallen von Familien, die hohen Scheidungsraten, Erziehungsdefizite bei Kindern kommen nicht aus heiterem Himmel. Hinzu kommen kulturelle Unterschiede und Verständigungsschwierigkeiten mit ausländischen Kindern und vor allem mit ihren Eltern. Und wäre all dies nicht genug, sind die Lehrer mit einer zunehmenden Reformitis im Bildungswesen konfrontiert. Reformitis nicht unbedingt auf die Anzahl Reformen, aber deren halbherzige Umsetzung und kurzfristige - um nicht zu sagen kurzsichtige - Betrachtungsweisen. All dies müssen die Schulen respektive eben die Lehrer/innen auffangen. In der Schule lernt man fürs Leben, war so eine beliebte Formulierung. Ist dies tatsächlich so? Haben die Lehrer/innen überhaupt noch die Kapazität, um Schule fürs Leben zu organisieren und zu praktizieren? Oder sind sie nicht zu Gefangenen von Stundenplänen und zu engen Strukturen geworden? Bildung ist für uns der Erfolgsfaktor um im wirtschaftlich globalen Umfeld überhaupt bestehen zu können. Der Lehrerberuf ist beileibe kein Zuckerschlecken und wir sollten in der Beurteilung dieser Berufsgattung vermehrt eine ausgewogenere Betrachtungsweise an den Tag legen. Vor allem wenn wir bedenken, dass diese Personen eine erhebliche Verantwortung tragen und tagtäglich an der „Front“ versuchen, diesen einzigartigen Erfolgsfaktor der Schweiz an unsere zukünftigen Generationen weiterzugeben. Und letztendlich müssen wir uns als Gesellschaft fragen, was wir noch alles an Problemen und Herausforderungen an die Schule delegieren wollen. Die Überforderung von Schülern und Lehrern/innen ist heute schon erkennbar und sollten wir nicht aus dieser Sackgasse hinaus finden, bleibt das Thema Lehrermangel wohl ein Dauerbrenner.


Top